Das Türmchenhaus in Braunschweig – Historische Villa an der Oker erfolgreich saniert
Nach Jahren des Leerstands erstrahlt die denkmalgeschützte Villa am Steintorwall in Braunschweig in neuem Glanz. Mit dem Abschluss der umfassenden Sanierung konnte das historische Gebäude nicht nur in seiner ursprünglichen Erscheinung wiederhergestellt, sondern auch einer neuen Nut-zung zugeführt werden.
Unmittelbar an der Oker gelegen, zählt das „Türmchenhaus“ zu den besonderen historischen Gebäu-den im Braunschweiger Stadtbild. Über viele Jahre stand das Gebäude leer und befand sich infolge-dessen in einem stark sanierungsbedürftigen Zustand. Die Projektierung begann im Jahr 2017. Im Spätsommer dieses Jahres konnten wir das anspruchsvolle Vorhaben erfolgreich abschließen.
Neue Nutzungen für historische Räume
Maßgebliche Vorgabe war die Vereinbarkeit aus dem Erhalt der historischen Substanz und die Er-schaffung einer modernen Nutzungsperspektive. Im Dachgeschoss entstand eine hochwertige Woh-nung, während das Unter- und Erdgeschoss künftig als zusammenhängende gewerbliche Einheit fun-gieren.
Damit verbindet das Projekt den behutsamen Umgang mit einem denkmalgeschützten Bestand mit einer zeitgemäßen Nutzung und trägt dazu bei, die Villa dauerhaft als Teil des Straßenbilds des Stein-torwalls zu erhalten.
Eine umfassende Sanierung vom Fundament bis zum First
Die denkmalgerechte Instandsetzung stellte hohe Anforderungen an Planung und Ausführung. Auf-grund erheblicher Feuchtigkeitsschäden war eine umfassende Kernsanierung erforderlich. Aufstei-gende Feuchtigkeit aus dem Erdreich, drückendes Sickerwasser an den Kelleraußenwänden sowie ein-dringendes Niederschlagswasser hatten das Gebäude über seine gesamte Höhe durchdrungen und Mauerwerk, Putz, Holzbauteile sowie sämtliche Ausbauschichten nachhaltig geschädigt.
Ziel der Sanierung war es, die historische Bausubstanz mit größter Sorgfalt zu erhalten, geschädigte Bauteile fachgerecht instand zu setzen und zugleich die Voraussetzungen für eine langfristige Nutzung zu schaffen. Hierfür wurden die Fundamente unterfangen und der Kellerboden nachträglich abge-senkt. So ergibt sich im gesamten Kellergeschoss eine neue Raumhöhe von über 2,50m.
Historische Details bewahren und wiederherstellen
Ein besonderer Schwerpunkt lag auf dem Erhalt der bauzeitlichen und historischen Ausstattung. Sämtliche Stuckelemente, Deckengesimse, Profile, Rosetten und ornamentalen Wandgestaltungen wurden vor Beginn der baulichen Eingriffe sorgfältig abgenommen, inventarisiert und eingelagert.
Beschädigte Originalelemente wurden von Spezialfirmen restauriert. Nicht mehr erhaltene Elemente konnten anhand von Abformungen und Vorlagen noch vorhandener Originalteile in Kalkgips-Stuckmasse rekonstruiert werden. So ließ sich die historische Raumgestaltung in weiten Teilen be-wahren und wieder erlebbar machen.
Rückkehr zur historischen Dachlandschaft
Auch die Dachgestaltung spielte bei der Wiederherstellung des ursprünglichen Erscheinungsbildes eine zentrale Rolle. Das vorhandene Dach, während des zweiten Weltkrieges als Notkonstruktion auf das Gebäude gesetzt und in den 70er Jahren umgebaut, wurde abgetragen und durch eine dem histo-rischen Vorbild entsprechende Konstruktion ersetzt.
Der Zwerchgiebel wurde auf Grundlage historischer Unterlagen rekonstruiert. Selbst die originale Wetterfahne konnte erhalten und restauriert werden. Sie sitzt nun auf der Dachspitze und gibt der Villa ein charakteristisches Detail ihrer historischen Silhouette zurück.
Ein Projekt mit besonderen Herausforderungen
Die langjährige Projektarbeit war geprägt von vielfältigen Herausforderungen, unerwarteten Entde-ckungen und ebenso besonderen Momenten. Zu den außergewöhnlichen Funden während der Bau-phase gehörten unter anderem alte Knochen oder Grabsteinplatten, die den besonderen historischen Kontext des Gebäudes nochmals unterstreichen.
Umso größer ist die Freude, das Projekt nun abgeschlossen zu sehen und die Villa wieder in Nutzung zu erleben. Die Arbeit am „Türmchenhaus“ war für unser Team eine spannende und bereichernde Auf-gabe. Das Ergebnis zeigt, wie durch sorgfältige Planung, fachgerechte Restaurierung und den respekt-vollen Umgang mit historischer Bausubstanz ein bedeutendes Gebäude für die Zukunft bewahrt wer-den kann.
Unser großer Dank gilt dem Bauherrn, den ausführenden Firmen und dem Braunschweiger Amt für Denkmalpflege für die ausdauernde Mitarbeit und Unterstützung bei diesem Projekt.